Wie alles begann...

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Im Laufe der Jahrhunderte haben geschickte Künstler und großzügige Salzfürsten der katholischen Kirche großartige Kunstwerke beschert, die die Besucher und Gläubigen noch heute in Staunen versetzen.....

Die Geschichte des Christentums in Hallstatt 

Wie alles begann....

Im Ablauf einer 4000jährigen Siedlungsgeschichte um den Hallstätter Salzberg hat die Geschichte der katholischen Kirche nur am letzten Viertel Anteil. Der Nachweis irgendwelchen Christentums unter den Römern, die wohl bis in die Zeit der Völkerwanderung hier ihre Salzgeschäfte machten, ist aus den vorhandenen Funden nicht zu erbringen. Über den Jahrhunderten des großen Völkerwanderns liegt tiefes Dunkel. Nach den ersten Klostergründungen in Mondsee 748 und Kremsmünster 777 und vor allem dann in Traunkirchen um 1000 wird das Tal der Traun immer mehr erschlossen und auch christianisiert. Um das Jahr 1050 ist wohl eine erste christliche Gemeinde anzunehmen, die spätestens 1181 eine kleine romanische Kirche hatte. Der mächtige Turm aus dem 12. Jahrhundert legt noch heute Zeugnis davon ab.

1311 erhält Hallstatt das Marktrecht und 1320 wird die vergrößerte zweite romanische Kirche durch Weihbischof Hermaan von Passau als Maria-Hilf Kirche konsekriert. Die Spätgotik wagt dann den Bau über den steil abfallenden Felsen und bis 1505 wird der heute vorhandene Kirchenraum fertig. Zwei Altarstiftungen der Knappschaft und der Bürgerschaft erklären die Zweischiffigkeit der Kirche. Die Kirche steht bald mitten in den harten Religionskriegen und wechselt zeitweilig zwischen Katholiken und Protestanten ihren Dienst. Sie bleibt allerdings immer Liebkind aller Salzfertiger und der sonst mächtigen und reichen Herren am Salzberg, im Markt oder bei Hof, bis die politischen Verhältnisse 1939 das Patronat der Saline erledigen. Seither liegt die Obsorge um dieses Kleinod ganz bei der kleinen Pfarrgemeinde und den Freunden und Besuchern.

Die Meister der Gotik

Wir kennen ihre Werke, aber kaum ihre Namen

„Der altgotische Altar, auf welchem gewöhnlich der Gottesdienst gefeiert wird, ist schon so ruinös, daß der Priester beim Meßopfer sich kaum mehr sicher fühlt." Das war die Begründung, mit der sich im Jahr 1799 fünf ehrenwerte Hallstätter Bürger - Pfarrer, Marktrichter, Pfleger und zwei Räte - an die „hohe ob der Enns`schen Landesregierung in Linz bittlich gewandt" haben, damit der Altar von Hallstatt abgetragen und durch einen neuen ersetzt wird.

Daß wir heute das Meisterwerk der gotischen Schnitzkunst bewundern können, verdanken wir nicht einem kunstsinnigen Beamten „der hohe ob der Enns`schen Landesregierung". Ganz im Gegenteil: der zuständige Regierungsrat hatte „für einen günstigen Erfolg eines derartigen Gesuches die beste Hoffnung". Wir verdanken die Erhaltung des Altars einzig dem Umstand, daß sich niemand fand, der die Kosten für den Abbruch bezahlen wollte.

Mehr als die Sorge um die Sicherheit des Priesters stand bei diesem Gesuch wohl der Wunsch im Vordergrund, dem Zug der Zeit zu entsprechen und den gotischen Altar loszuwerden, um ihn durch einen barocken Altar zu ersetzen. Wir müssen uns vergegenwärtigen, daß es allein in Oberösterreich einmal 1400 gotische Altäre gab, heute sind es knapp zwei Dutzend. Es war an der Tagesordnung, daß Kunstwerke wie der Flügelaltar von Hallstatt zu Spreißelwerk gemacht wurden.

Die Rolle des Aschenbrödels müssen die gotischen Meisterwerke von Hallstatt auch heute spielen. Daran ist keineswegs nur der berühmte Stiefbruder in St. Wolfgang schuld. Hallstatt, da denkt im Zusammenhang mit Kunst jeder an die Hallstattkultur. Die vorgeschichtlichen Ausgrabungen nehmen „die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler so sehr in Anspruch, daß unser spätgotisches Schnitzwerk allzusehr in den Hintergrund des Interesses gedrängt wurde", bedauert Ekkart Sauser, dem wir die fundierten Abhandlungen über den Hallstätter Marienaltar zu verdanken haben.

Einer der bedeutendsten Schnitzaltäre

Kein Zweifel besteht in der Kunstwelt über den Wert dieses Doppelflügelaltars. „Einer der bedeutendsten Schnitzaltäre Oberösterreichs", urteilte das Kunstdenkmäler-Handbuch „Dehio", und „Reclams Kunstführer" präzisiert das: „Es ist nach Pachers Altar in St. Wolfgang, nach dem Kefermarkter Altar und mit dem Altar von Gampern der bedeutendste Oberösterreichs."

Der Hallstätter Marienaltar ist das einzige Werk, das Astl signierte. Wenn zur Advents-und Weihnachtszeit die Innenflügel des Altars geschlossen sind, werden in den Außenflügeln vier Reliefdarstellungen sichtbar. Auf dem Relief links unten ist die Beschneidung des Herren dargestellt, und hier hat sich am Schultertuch des Hohenpriesters der Schöpfer des Altars verewigt. Zu lesen ist jedoch nur „...nhart Astl" und es war vom Entdecker dieser Inschrift ein voreiliger Schluß, daraus den Namen Leonard abzuleiten. Lienhart, Bernhart, Leonhart oder Leonard rätseln die Gelehrten. Am Haupt des rechten Hohenpriesters finden sich noch einmal drei Buchstaben: HER.

Das hat nun zur völligen Verwirrung beigetragen. Denn als „Herr Astl" wird sich der Künstler wohl kaum bezeichnet haben. Soll man das „H" als ehemaliges „B" deuten und daraus Bernhart ableiten ? Oder haben jene recht, die meinen, daß dieser „...nhart Astl" der Meister Leonharten zu Rottenmann gewesen sein könnte? Bei der letzten Restaurierung im Jahre 1985 konnte der Name Leonhard als sicher festgestellt werden. Wahrscheinlich hatte Astl seine Werkstatt in der Gegend von Gmunden. Bekannt ist die Entstehung des Hallstätter Marienaltars: 1505 dürfte Astl den Antrag übernommen haben, 1510 glaubt man, haben die Arbeiten in vollem Ausmaß eingesetzt, 1515 gilt als das Jahr, in dem Astl mit seinen Gesellen das Richtfest feierte, vollendet wurde der Altar um das Jahr 1520. Vom Meister selbst stammt die Plastiken im Hauptschrein: Maria mit Kind, links davon die heilige Katharina, Schutzpatronin der Holzknechte, rechts die heilige Barbara, Schutzpatronin der Bergleute.

Ganz sicher hat Astl auch die Reliefs an den Innenflügeln selbst geschnitzt, denn hier hat uns der Künstler ja seinen Namen hinterlassen. Nicht zuletzt aber auch die Kreuzigungsgruppe beim Eingang der Kirche und ein Jesusknabe im Hallstätter Museum.

Ein Ablassbrief, mit dem die Kosten für den Bau der Kirche hereingebracht wurden, stammt aus dem Jahr 1505. Eine Weihe durch den Bischof von Passau ist aus dem Jahr 1320 überliefert. Zumindest seit 1181 hat die kleine christliche Gemeinde von Hallstatt eine Kirche, von der noch der mächtigste, fest mit der Felswand verwachsende Turm steht. Den Ernst der Romanik mildert heute die fröhlich-beschwingte Turmhaube aus der Barockzeit.

Der staatliche Bergbau, der mit der Erhebung Hallstatt zum Markt im Jahre 1311 begann, brachte einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Kirche erwies sich als zu klein. So entstand der Bau, den wir noch heute vor uns haben: eine zweischiffige und zweichörige gotische Hallenkirche mit einem schönen Netzrippengewölbe und Maßwerkfenstern. Zweischiffig wurde die Kirche nicht nur aus architektonischen, sondern auch aus gesellschaftlichen Gründen gebaut. Es waren Knappen und Bürger, die den Bau der Kirche ermöglichten. das rechte Schiff war für die Knappen, das linke für die übrige Pfarrgemeinde bestimmt.

Was hat Hallstatt in und außerhalb der katholischen Pfarrkirche noch zu bieten an gotischen Kunstschätzen? Vor allem einen zweiten, kleinen Flügelaltar, der heute beim Nordeingang der Kirche aufgestellt ist. Auch dieser Altar, der um das Jahr 1450 entstand und das Werk eines unbekannten Bergmannes oder eines Arbeitsteams von Bergleuten ist, war von der Zerstörung bedroht. Das ist die schlichte Geschichte von der Rettung eines der kostbarsten Schätze von Hallstatt: Etwa um das Jahr 1750 erhielt ein Bergmann den Auftrag, den kleinen gotischen Flügelaltar in der Häuerkapelle am Salzberg zu entfernen. Das war in dieser Zeit nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich war jedoch, wie dieser unbekannte Arbeiter reagierte.

Auf ein Holztäfelchen, mit dem er die Altarflügel zusammennagelte, schrieb er: "Ich habe heute Befehl bekommen, den kleinen Altar wegzuräumen, zusammenzuschneiden und zu verbrennen. Ich aber hebe ihn auf. Vielleicht findet ihn jemand, der mehr Herz hat." Er gab sich nicht als Kunstkenner aus, dieser Bergmann, er prahlte nicht mit seinen religiösen Gefühlen, die vermutlich der Anlaß waren für den Entschluß, diesen Auftrag nicht auszuführen und den Altar im Häuerhaus in eine Ecke des Dachbodens zu stellen. Er sprach nur seine Hoffnung aus, daß eines Tages jemand mehr Herz haben soll. Hallstatt und die Hallstattbesucher aus aller Welt verdanken es diesem einfachen Bergmann, daß der heute in der Kirche wieder zu Ehren gekommene Altar erhalten geblieben ist.

Dominierend auf diesem Altar das Hauptbild: eine ungewöhnlich faszinierende, lebendige, weit über die bloße Realistik der Szene hinausgehende Kreuzigungsdarstellung, mit einer Fülle von Menschen, unter denen auch nicht ein einziges Dutzendgesicht ist. Leider wurde dieses Meisterwerk im Jahre 1987 durch Diebe seiner Flügel beraubt (siehe Pressespiegel). Mittlerweile wurden die Tafeln durch Repliken des Bundesdenkmalamtes ersetzt, und so kann dieses schöne Altarwerk - wenn auch nicht in ursprünglichem Zustand - wieder die Herzen seiner Besucher erfreuen...

Weitere gotische Schätze

Die Hallstätter Kirche beherbergt schließlich noch, wie erwähnt, eine lebensgroße Kreuzigungsgruppe aus der Hand von Meister Astl, die im Haupteingang aufgestellt ist und um 1515/20 entstanden sein dürfte: Christus, Maria, Johannes. Der Kunsthistoriker Ekkart Sauser: „Johannes und Maria sind ganz im Sinne der Astlschen Werkstätte geschaffen, St. Johannes, dessen edel geformtes Antlitz ihn zu den besten Werken von Meister Astl gehören läßt, erinnert in seiner Kopfform und den markanten Gesichtszügen an die Astlschen Männertypen jugendlichen Alters, wie sie zahlreich bei den Hallstätter Aufsatzfiguren und Reliefs zu finden sind. Maria findet Parallelen bei den hl. Frauen auf dem Hallstätter Beschneidungs- und Darstellungsrelief. Der Gekreuzigte zeigt in seinen Gesichtszügen asketische Strenge, hat betonte Kinnladen und eingefallene Wangen."

Kunst der Donauschule

Der Donauschule zugezählt werden die Fresken über dem Haupteingang zur Kirche: farbige Passionsszenen; Kreuzestragung und Kreuzesnagelung (um 1500). In dieser Zeit entstanden auch das Christophorus-Fresko an der Ostseite der Kirche. Aus dem Jahr 1519 stammt das Portal aus rotem Salzburger Marmor mit schön gestalteter Türleiste. Bei der Aufzählung der gotischen Werke von Hallstatt darf die Michaelskapelle nicht vergessen werden (um 1300), mit romanischem Unterbau und darüber einem gotischen Kapellenraum. Hier befindet sich das weithin bekannte Beinhaus. Darf ich Sie aber bitte am Schluß diese Kapitels noch einmal einladen zu einem kurzen Besuch der Kirche, um zurückzukehren zum Schönsten, was die Gotik in Hallstatt zu bieten hat. Es ist dies, ganz im Sinne der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und des Marienaltars, die Mutter Gottes auf dem Hauptaltar. Der Kunsthistoriker Ekkard Sauser analysiert sie so: „Einfach, schlicht, sehr natürlich, wie aus dem Leben gegriffen, nichts Aszetisches, Hoheitsvolles, ja nicht einmal überaus edle Formen in den Gesichtszügen und Gewandfalten." Einfach, schlicht, natürlich? Das ist viel ungewöhnlicher, als es sich auf den ersten Blick ausnimmt. Für den Künstler von Hallstatt ist Maria nicht das Ideal höchster himmlischer und irdischer Schönheit mit verinnerlichtem, versunkenem Ausdruck, wie wir sie in anderen Werken vor uns haben. Maria ist hier eine einfache, schlichte, natürliche Frau. Vielleicht ist das nicht nur für eine künstlerische Betrachtung von Bedeutung. Ich könnte mir vorstellen, daß bei einer solchen Maria viel eher das Gefühl aufkommt, hier eine Vermittlerin zwischen Gott und den Menschen vor sich zu haben. Diese Maria ist eine Frau und Mutter, nicht anders als die Frauen und Mütter, die im Laufe von viereinhalb Jahrhunderten vor dieser Maria gekniet sind.

Die Meister des Barock

Kalvarienbergkirchlein in der Lahn

Rund 24.000 gebogene Lärchenschindeln waren notwendig, um die Kalvarienbergkirche vor dem Verfall zu retten. Die geschwungene Dachform wurde vor wenigen Jahren originalgetreu erneuert. Die Kirche stammt aus dem Jahr 1711 und wurde gemeinsam mit dem Kreuzwegkapellen von einem kinderlosen Hofschreiber-Ehepaar gestiftet, das dort auch seine letzte Ruhestätte haben wollte. Ebenfalls aus dieser Zeit und vom gleichen Stifter dürfte das Bild „Vom Leben und Sterben des Bergmannes"sein. Es befindet sich im Gebäude der Salinendirektion. Das Büro des Bergbaudirektors ziert zusätzlich ein barockes Kleinod: ein Bild der heiligen Barbara, jener von den Bergleuten besonders verehrten Märtyrerin, der auch ein Altar gewidmet ist. Er kommt aus der Salzbergkapelle und ist heute in der Krippenstein-Kapelle zu sehen. Die heilige Barbara ist demnach in der Kunst von Hallstatt gleich mit drei Stilrichtungen vertreten: als gotische Altarfigur, in einem barocken Altar, als barockes Bild und als moderne Plastik.

Die heilige Barbara

Über die Jahrhunderte hinweg spielt die heilige Barbara in Hallstatt eine Rolle, zwischen dem Jahrhunderten stellte das Schicksal merkwürdige Verbindungen her: Die Krippenstein-Kapelle mit dem Barbara-Altar ist die Gedächtnisstätte für die zehn Schüler und drei Lehrer, die in der Karwoche des Jahres 1954 auf dem Dachstein ihr Leben lassen mußten. Zufällig, aber verblüffend ist in diesem Zusammenhang, daß die Zahl der Engel des Barocken Altars (13) mit der Zahl der Toten der Dachstein-Tragödie 1954 übereinstimmt.

Weiter barocke Schätze

Bleiben wir noch beim Barock: Den Innenraum der Kalvarienbergkirche beherrscht eine große geschnitzte Keuzigungsgruppe (um 1710) aus dem Arbeitskreis des Bildhauers Johann Meinrad Guggenbichler. Neben der Kalvarienbergkirche steht der schönste barocke Profanbau von Hallstatt: das Amtshaus. Mit seinem Giebeldach paßt es sich besonders schön der Landschaft an. Auch die katholische Pfarrkirche erinnert daran, daß es in der Barockzeit in Hallstatt wohlhabende Spender gab: Die Haube des Kirchturms stammt aus dem Jahr 1751, im Innern der Kirche wird eine Wand von einem prächtigen schmiedeeisernen Fensterkorb (um 1650) und einem Kreuzschleppungsbild (1653) geschmückt. Oberhalb des neugotischen Taufbeckens prangt eine barocke Dreifaltigkeitsgruppe, vermutlich eine Schwanthaler-Arbeit, bei der allerdings nur die Figuren von Gott-Vater und Gott-Sohn original sind, der Rest stammt aus der Holzfachschule Hallstatt. An der Friedhofsmauer hockt eine kleine Kapelle (Angstkapelle) mit Gitter und Ölberggruppe aus dem Jahr 1730. Erwähnen müßte man auch noch die Gruftkapelle mit Stiftungsaltar (aus dem Jahr 1652) und die barocken Stücke in der Michaelskapelle, die allerdings der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.

Die letzte Ruhe >>